Sexuell übertragbare Krankheiten

Hinweise zur Labordiagnostik von Geschlechtskrankheiten

Es stehen Methoden zum direkten und indirekten Nachweis der STD-Erreger zur Verfügung. Angestrebt werden soll der direkte Nachweis mittels NAT (PCR, Sondendiagnostik) bzw. Mikroskopie (Nativmaterial) und Kultur sowie ggf. die Resistenztestung für N. gonorrhoeae und Candida spp. Während die Bestimmung spezifischer Antikörper bei akuten Erkrankungen eher eine untergeordnete Rolle spielt, ist sie im Verlauf bei einigen STD, wie Lues, HIV-, HCV- und HBV-Infektion, sinnvoll.

Die wichtigsten Differenzialdiagnosen bei STD sind die der Entitäten dieser Erkrankungsgruppe untereinander. Bei Ulzerationen im Genitalbereich ist nach Ausschluss einer STD noch an Balanoposthitis chronica circumscripta plasmacellularis, Erythroplasie, Lichen sclerosus, M. Behcet oder M. Crohn zu denken. Bei Verdacht auf syphilitische Exantheme müssen auch makulopapulöse Arzneimittelexantheme, Psoriasis vulgaris, infektiöse Exantheme, Pityriasis rosea und Scabies erwogen werden. Feigwarzen sollen je nach Lokalisation von Analkarzinom, Marisken im Analbereich, von Pseudokondylomen (Hirsuties papillaris penis), Erythroplasie, bowenoiden Papeln, Scabies granulomatosa oder Verruca seborrhoica im Genitalbereich unterschieden werden. Bei vaginalem Fluor muss an bakterielle Vaginose, hormonell bedingt vermehrten Fluor, vaginale Candida- und Streptokokken- Infektionen und Malignome gedacht werden.

Durch gezielte Diagnostik können Komplikationen der STD detektiert werden (z. B. Liquordiagnostik und bildgebende Verfahren bei Verdacht auf Neurolues). Bei nicht eindeutiger Hepatitis sind auch eine toxische oder Autoimmunhepatitis ggf. auszuschließen. Bei Unterbauchschmerzen sollte eine (ektope) Schwangerschaft durch Bestimmung des humanen Choriogonadotropins (HCG) ausgeschlossen werden.

Probenmaterialien für den direkten und indirekten Erregernachweis bei STD
ProbenmaterialErreger/Anmerkungen
Direkter Erregernachweis mittels NAT
Abstrich (trocken)HSV, HPV, G. vaginalis, T. vaginalis, T. pallidum, Candida spp., H. ducreyi, N. gonorrhoeae,
C. trachomatis, M. hominis, M. genitalium, U. urealyticum
UrinC. trachomatis, N. gonorrhoeae, M. hominis, M. genitalium, U. urealyticum
EjakulatC. trachomatis, M. hominis, M. genitalium, U. urealyticum, N. gonorrhoeae
EDTA-BlutHIV, HBV, HCV
Gewebe/WundsekretH. ducreyi, T. pallidum
Erregernachweis mittels Mikroskopie im Nativpräparat und/oder Kultur
Abstrich (mit Transportmedium)N. gonorrhoeae, T. vaginalis, Candida spp., G. vaginalis, M. hominis, U. urealyticum, H. ducrey,
K. granulomatis
GewebeH. ducreyi, K. granulomatis
UrinN. gonorrhoeae
ObjekträgerN. gonorrhoeae, T. vaginalis
KlebestreifenSarcoptes scabiei, Phthirus pubis
Nachweis von Erreger-spezifischer Immunantwort
SerumHIV, T. pallidum, HSV, HBV, HCV

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Geschlechtskrankheiten - Hinweise zur Labordiagnostik

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