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Diagnostik & Therapie

Durch Zecken übertragene Krankheiten: Zwei Ableitungen für die ärztliche Praxis

08.04.2026

Die klimatischen Veränderungen unserer Zeit fordern einen fundamentalen Wandel in der Wahrnehmung und Diagnostik von durch Zecken übertragenen Erkrankungen. Die klassische Saison ist obsolet und auch die Begrenzung der Risikogebiete auf den süddeutschen Raum weicht in den letzten Jahren immer mehr auf. Das Risiko für einen Zeckenbiss besteht nun ganzjährig und auch bundesweit – allerdings mit deutlich regionalen Unterschieden und weiterhin einer Konzentration auf den süddeutschen Raum. Für die ärztliche Praxis ergeben sich daraus zwei zentrale Ableitungen.

In der klinischen Praxis sollten FSME und Borreliose bundesweit und ganzjährig als mögliche Differenzialdiagnosen im Blick behalten werden. Unspezifische, grippeähnliche Symptome im Winter oder unklare neurologische Beschwerden bei einem Patienten aus Norddeutschland? Gerade hier sollten FSME und Borreliose als Differenzialdiagnosen in Betracht gezogen werden.

 

  • Klimawandel als Treiber: Milde Winter begünstigen die ganzjährige Aktivität von Zecken.
  • Geografische Ausweitung: Längst sind nicht mehr nur die klassischen Endemiegebiete in Süddeutschland betroffen. Steigende Fallzahlen in Bundesländern wie Sachsen, Thüringen und Brandenburg belegen: Ganz Deutschland ist Risikogebiet. Denn „geringe Inzidenz“ heißt nicht „keine Inzidenz“.

Während die zügige Entfernung der Zecke das Transmissionsrisiko für Borrelia burgdorferi s.l. signifikant reduziert, ist diese Maßnahme bei FSME aufgrund der potenziell unmittelbaren Virusübertragung nach dem Stich insuffizient. Angesichts der fehlenden kausalen Therapie der FSME kommt der immunprophylaktischen Intervention deshalb neben der Expositionsprophylaxe eine übergeordnete Bedeutung zu.

Epidemiologische Daten des RKI belegen, dass ein Großteil der gemeldeten FSME-Fälle bei nicht oder nur unvollständig immunisierten Personen auftritt. Dies unterstreicht die Relevanz der ärztlichen Impfberatung. Die adäquate Umsetzung der STIKO-Empfehlungen zur FSME-Vakzinierung stellt die effektivste Strategie zur Prävention schwerer neurologischer Manifestationen der Erkrankung dar. 

MerkmalLyme-BorrelioseFSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis)
Erreger & ÜbertragungBorrelienFSME-Viren
ÜbertragungI.d.R. erst nach einigen Stunden SaugzeitUnmittelbar nach dem Stich möglich
Symptome
  • Erythema migrans (charakteristisches, aber inkonstant auftretendes Frühsymptom)
  • Spätmanifestationen wie Neuroborreliose (z. B. Meningoradikulitis Bannwarth, kraniale Neuritis, insb. Fazialisparese) oder Lyme-Arthritis
  • Phase 1: Prodromalstadium mit unspezifischer, grippeähnlicher Symptomatik (Fieber, Myalgien, Arthralgien, Kopfschmerzen)
  • Phase 2: Nach einem fieberfreien Intervall folgt bei einem Teil der Patient:innen die neurologische Manifestationsphase mit ZNS-Beteiligung (Meningitis, Enzephalitis, Myelitis) und potenziellen Residuen wie Paresen oder kognitiven Defiziten
ImpfungKeine Impfung verfügbarSichere und wirksame Impfung möglich, wird in den Ausbreitungsgebieten empfohlen. Diese wird von den GKV in den Risikogebieten und je nach Kasse auch bei Reisen in Risikogebiete übernommen
Labordiagnostik
  • Nachweis von IgG- und IgM-Antikörpern (ELISA, bestätigt durch Immunoblot)
  • Bei Verdacht auf Neuroborreliose ist der Nachweis einer intrathekalen Antikörpersynthese (Liquor-Serum-Paar) erforderlich
  • PCR aus Haut oder Gelenkpunktat ist ebenfalls eine Option
  • Nachweis spezifischer IgG- und IgM-Antikörper im Serum
  • Bei neurologischen Symptomen kann der Antikörperindex aus Liquor und Serum berechnet werden, um eine Produktion im ZNS zu belegen
TherapieErfolgt stadiengerecht antibiotisch, bei fortgeschrittenen Manifestationen ist häufig eine intravenöse (i.v.) Antibiose indiziertRein symptomatisch, da keine kausale Behandlung zur Verfügung steht
PrimärpräventionExpositionsprophylaxeExpositionsprophylaxe
SekundärpräventionSchnelle ZeckenentfernungFSME-Impfung
Risikogebiete Weit verbreitet in ganz DeutschlandIn Deutschland besteht Stand 01/2026 ein Risiko für eine FSME-Infektion vor allem in Bayern, Baden-Württemberg, Südhessen, im südöstlichen Thüringen, in Sachsen, im südöstlichen Brandenburg und östlichen Sachsen-Anhalt
MeldepflichtNur in einigen Bundesländern (z. B. Brandenburg)Akute FSME-Erkrankungen sind nach § 7 IfSG bundesweit meldepflichtig
Weiterführende Infoshttps://www.limbachgruppe.com/medizin-wissen/lyme-borreliose/ www.limbachgruppe.com/medizin-wissen/fruehsommer-meningoenzephalitis-fsme/

 

 

 

Fazit: Ganzjährige Wachsamkeit & Impfungen sind essentiell

Die veränderte epidemiologische Lage der durch Zecken übertragenen Krankheiten erfordert eine zweifache Anpassung im klinischen Alltag: Einerseits eine ganzjährige, von geografischen Grenzen losgelöste diagnostische Wachsamkeit bei unspezifischen Symptomen. Andererseits die konsequente Nutzung der FSME-Impfung als effektivste Präventionsstrategie gegen potenziell schwere neurologische Verläufe, für die keine kausale Therapie existiert. 

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Referenzen

  1. Deutsches Ärzteblatt (2026): FSME-Fälle wohl auf neuem Höchststand – Zecken in Deutschland ganzjährig aktiv Zuletzt abgerufen am 27.03.2026
  2. Gelbe Liste: FSME-Impfung. Zuletzt abgerufen am 27.03.2026
  3. Informationsportal über Zecken, FSME und Borreliose. Zuletzt abgerufen am 27.03.2026
  4. Robert Koch-Institut (RKI): RKI-Ratgeber - Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME). Zuletzt abgerufen am 27.03.2026
  5. Robert Koch-Institut (RKI): RKI-Ratgeber -Borreliose. Zuletzt abgerufen am 27.03.2026
  6. Infektionsschutz: FSME-Impfung für Erwachsene. Zuletzt abgerufen am 27.03.2026
  7. Robert Koch-Institut (RKI): Epidemiologisches Bulletin 16/2022 - RKI. Zuletzt abgerufen am 27.03.2026
  8. Robert Koch-Institut (RKI): RKI - Epidemiologisches Bulletin 9 2023. Zuletzt abgerufen am 27.03.2026
  9. Robert Koch-Institut (RKI): Epidemiologisches Bulletin 9/2026 - RKI. Zuletzt abgerufen am 27.03.2026