Katzenkratzkrankheit (Bartonellose): Diagnostik, Klinik und Therapie

Was ist die Katzenkratzkrankheit?

Die Katzenkratzkrankheit wird in der Regel durch das gramnegative Stäbchenbakterium Bartonella henselae verursacht. Obwohl der Erreger bereits früher bekannt war, konnte er aufgrund seiner anspruchsvollen Kultivierungsbedingungen erst in den 1990er-Jahren eindeutig charakterisiert werden.

Epidemiologie und Übertragung

Katzen, insbesondere junge Tiere, stellen das Hauptreservoir für B. henselae dar. Die Infektion der Katzen untereinander geschieht meist über Katzenflöhe. Seroepidemiologische Studien in Deutschland zeigten, dass bei ca. 15 % der untersuchten Katzen spezifische Antikörper nachweisbar waren. Die Übertragung auf den Menschen erfolgt klassischerweise durch Kratz- oder Bissverletzungen. Die infizierten Katzen selbst zeigen in der Regel keine Krankheitssymptome.

Kompakt zusammengefasst

  • Die Katzenkratzkrankheit, meist durch Bartonella (B.) henselae ausgelöst, ist eine häufig unterschätzte Ursache für Lymphknotenschwellungen.
  • Die Übertragung erfolgt typischerweise durch Kratz- oder Bissverletzungen von Katzen, insbesondere von Jungtieren.
  • Die Diagnostik erfolgt primär serologisch durch den Nachweis von B. henselae-spezifischen IgM- und IgG-Antikörpern.

Welche klinischen Symptome sind typisch?

Die Katzenkratzkrankheit ist eine häufige, aber oft übersehene Ursache für eine Lymphadenopathie.

  • Inkubationszeit: 3 bis 10 Tage.
  • Primärläsion: An der Verletzungsstelle entwickelt sich eine rötliche Papel oder Pustel, die für 1 bis 3 Wochen bestehen bleiben kann.
  • Lymphadenopathie: Innerhalb von 1 bis 7 Wochen nach der Primärläsion entwickelt sich eine regionale, also auf der gleichen Körperseite liegende, schmerzhafte Schwellung der Lymphknoten. Aufgrund der häufigen Lokalisation der Verletzungen an Händen, Armen und Hals sind meist die axillären oder zervikalen Lymphknoten betroffen.
  • Verlauf: Die Lymphadenopathie kann 2 bis 4 Monate, in seltenen Fällen auch länger, andauern. Bei über 90% der Patienten heilt die Erkrankung spontan und folgenlos aus. Bei etwa 50% der Betroffenen tritt leichtes Fieber auf. Bei immungeschwächten Patienten, z. B. mit einer HIV-Infektion, können schwere Verläufe auftreten.

Wann ist eine Labordiagnostik indiziert?

Bei klinischem Verdacht auf eine Bartonellen-Infektion, insbesondere bei einer unklaren Lymphadenopathie mit entsprechendem Tierkontakt in der Anamnese, sollte eine serologische Untersuchung erfolgen.

Die Diagnostik stützt sich auf etablierte Kriterien, von denen mindestens drei erfüllt sein sollten:

Diagnosekriterien der Katzenkratzkrankheit
1. Katzenkontakt in der Anamnese, idealerweise mit einer Primärläsion
2. Nachweis von Bartonella-spezifischen Antikörpern (IgM/IgG) im Serum
3. Typische regionale Lymphadenopathie
4. Charakteristische histologische Veränderungen in einer Lymphknotenbiopsie

Der Antikörpernachweis mittels Immofluoreszenztest (IFT) kann in der frühen Krankheitsphase noch negativ ausfallen. Bei fortbestehendem klinischem Verdacht wird daher eine serologische Kontrolluntersuchung nach 2 bis 4 Wochen empfohlen. Ein direkter Erregernachweis mittels Polymerase-Kettenreaktion (PCR) aus Biopsiematerial oder Eiter kann in Sonderfällen (z. B. bei unklarer Serologie oder bei immungeschwächten Patienten) versucht werden, ist aber Speziallaboratorien vorbehalten.

Welche Komplikationen können auftreten?

OrgansystemMögliche Komplikationen
Zentrales Nervensystem (ZNS)Enzephalitis, Krampfanfälle, Polyneuritis, Myelitis, Neuroretinitis (schmerzloser, einseitiger Visusverlust)
Leber und MilzGranulome oder Abszesse (hepatolienale Katzenkratzkrankheit)
Herz und LungeEndokarditis (kulturell-negativ), Pneumonie
SkelettsystemGranulome, Osteomyelitis (Schädel, Rippen, Wirbelkörper)
Sonstige OrganeParinaud-Syndrom, Granulome in der Mamma, systemische Verläufe mit Fieber und generalisierter Lymphadenopathie

Therapie und Prophylaxe

Unkomplizierte, typische Verläufe bedürfen in der Regel keiner antibiotischen Therapie. Die Diagnosestellung ist jedoch wichtig, um relevante Differenzialdiagnosen wie maligne Lymphome auszuschließen. Bei komplizierten oder schweren Verläufen ist eine antibiotische Behandlung mit z. B. Azithromycin, Clarithromycin, Doxycyclin oder Ciprofloxacin indiziert.

Zur Prophylaxe wird die Einhaltung hygienischer Grundregeln im Umgang mit Katzen empfohlen, insbesondere Maßnahmen gegen Flohbefall.

Literaturverweise:

  1. Haimerl M, Tenter AM, Simon K, et al. Seroprevalence of Bartonella henselae in cats in Germany. J Med Microbiol 1999; 48: 849–856.