Präeklampsie: Optimierte Risikobeurteilung in der Schwangerschaft

Was ist eine Präeklampsie und warum ist die Früherkennung so wichtig?

Die Präeklampsie (PE) ist eine der schwerwiegendsten Komplikationen in der Schwangerschaft mit einer Häufigkeit von 2–5 %. Sie ist charakterisiert durch eine generalisierte endotheliale Dysfunktion, die zu einer hohen maternalen und fetalen Morbidität und Mortalität führen kann. Unbehandelt kann die Erkrankung in eine Eklampsie (generalisierte Krampfanfälle) oder ein HELLP-Syndrom (Hämolyse, erhöhte Leberwerte, niedrige Thrombozytenzahl) übergehen. Die frühzeitige Erkennung einer Risikoschwangerschaft ermöglicht eine engmaschige Überwachung und die Einleitung prophylaktischer Maßnahmen, um den Verlauf positiv zu beeinflussen.

Kompakt zusammengefasst

  • Eine Früherkennung im 1. Trimenon (PAPP-A, PlGF) ermöglicht eine ASS-Prophylaxe, die das Risiko für eine frühe Präeklampsie (PE) um über 80 % senken kann.
  • Ab der 20. SSW ist der sFlt-1/PlGF-Quotient ein entscheidender Marker zur Diagnose, Prognose und Differenzierung der PE und hilft, unnötige Klinikaufenthalte zu vermeiden.
  • Die neue PE-Definition umfasst Bluthochdruck (≥ 140/90 mmHg) mit mindestens einer neuen Organmanifestation; eine alleinige Proteinurie ist nicht mehr obligatorisch.

Wann ist eine Risikobestimmung im 1. Trimenon indiziert?

Ein Screening im ersten Trimenon (SSW 11+0 bis 13+6) ist entscheidend, um Patientinnen mit einem hohen Risiko für eine frühe (Early-onset) PE zu identifizieren. Basierend auf den maternalen Charakteristika, biophysikalischen Faktoren und den Biomarkern PAPP-A und PlGF wird eine individuelle Risikokalkulation durchgeführt. Bei einem festgestellten hohen Risiko wird die tägliche Einnahme von 150 mg Acetylsalicylsäure (ASS) bis zur 36. SSW empfohlen. Studien (z. B. ASPRE-Studie) belegen, dass diese Maßnahme das Risiko einer Early-onset-PE um über 80 % reduzieren kann.

Zu den Risikofaktoren, die ein Screening nahelegen, gehören unter anderem:

  • Präeklampsie, Eklampsie oder HELLP in einer vorangegangenen Schwangerschaft
  • Chronische Vorerkrankungen (z. B. arterielle Hypertonie, Diabetes mellitus, Nierenerkrankungen)
  • Autoimmunerkrankungen (z. B. Antiphospholipid-Syndrom)
  • Mehrlingsschwangerschaft
  • Erstgebärende oder Alter über 35 Jahre

Wie hilft der sFlt-1/PlGF-Quotient im weiteren Schwangerschaftsverlauf?

Ab der 20. Schwangerschaftswoche revolutioniert der sFlt-1/PlGF-Quotient die Diagnostik und das Management bei Verdacht auf PE. Die Bestimmung der beiden Angiogenesefaktoren – dem anti-angiogenen sFlt-1 (soluble fms-like tyrosine kinase-1) und dem pro-angiogenen PlGF (placental growth factor) – erlaubt eine hochzuverlässige Differenzierung von einer normalen Schwangerschaft sowie anderen hypertensiven Erkrankungen.

Der Quotient dient nicht nur der Diagnose, sondern auch der Prognose:

  • Ausschluss: Ein unauffälliger Quotient schließt das Auftreten einer PE für die nächste Woche mit hoher Sicherheit aus.
  • Bestätigung & Prognose: Ein erhöhter Wert bestätigt die Diagnose einer manifesten oder drohenden PE und weist auf ein hohes Risiko für maternale oder fetale Komplikationen in den nächsten vier Wochen hin.

Die frühzeitige Erkennung ermöglicht eine adäquate Vorbereitung auf die Entbindung, inklusive der Lungenreifeinduktion beim Fötus. Diese moderne Laboranalytik, die Ihnen im gesamten Netzwerk der Limbach Gruppe zur Verfügung steht, verbessert die Patientinnenbetreuung erheblich.

Prognose der Präeklampsie mittels sFlt-1/PlGF-Quotient

Prognose & HandlungsempfehlungSSW 20+0 bis 33+6 (Early-onset)SSW 34+0 bis Niederkunft (Late-onset)Interpretation
sFlt-1/PlGF-Quotient< 38< 38Ausschluss: Geringes Risiko für eine PE. Eine PE kann für eine Woche sicher ausgeschlossen werden.
sFlt-1/PlGF-Quotient≥ 38 bis < 85≥ 38 bis < 110Monitoring: Moderates Risiko. Patientin sollte engmaschig überwacht und der Test in 1–2 Wochen wiederholt werden.
sFlt-1/PlGF-Quotient≥ 85≥ 110Bestätigung: Hohe Wahrscheinlichkeit für eine manifeste oder drohende PE. Management entsprechend der klinischen Situation.

Handlungsempfehlungen basierend auf dem sFlt-1/PlGF-Quotienten 

Literaturverweise & Leitlinien:

  1. Zeisler H, Llurba E, Chantraine F et al.: Predictive Value of the sFlt-1:PIGF Ratio in Women with Suspected Preeclampsia. N Engl J Med. 2016; 374 (1): 13-22.
  2. Stepan H, Herraiz I, Schlembach D et al.: Implementation of the sFlt-1/PIGF ratio for prediction and diagnosis of pre-eclampsia in singleton pregnancy: implications for clinical practice. Ultrasound Obstet Gynecol. (2015); 45 (3): 241-246.
  3. Rolnik DL, Wright, D, Poon LC et al.: Aspirin versus Placebo in Pregnancies at High Risk for Preterm Preeclampsia. N Eng. J Med. 2017; 377 (7): 613-622.
  4. Hypertensive Schwangerschaftserkrankungen: Diagnostik und Therapie. Leitlinienprogramm der DGGG, OEGGG und SGGG, 2018 (AWMF-Registernr. 015/018).