Klinischer Hintergrund: Die Herausforderung der chronischen Nierenerkrankung (CKD)
Weltweit leiden über 750 Millionen Menschen an einer chronischen Nierenerkrankung (CKD). Häufigste Ursachen sind Diabetes mellitus und arterieller Hypertonus. Da Betroffene lange symptomfrei bleiben, ist die frühzeitige und sichere Erkennung einer fortschreitenden (progredienten) Nierenschädigung entscheidend. Die etablierte Diagnostik mittels eGFR zeigt die Nierenfunktion zum Zeitpunkt der Messung an, erlaubt aber keine Prognose über den weiteren Verlauf. Hier schließt der Biomarker Dickkopf 3 (DKK3) eine wichtige diagnostische Lücke.
Kompakt zusammengefasst
- Urinäres Dickkopf 3 (uDKK3) ist ein unabhängiger Prädiktor, der das Risiko für einen fortschreitenden Nierenfunktionsverlust innerhalb der nächsten 6 bis 12 Monate anzeigt.
- Die Messung von uDKK3 ermöglicht die gezielte Überwachung und Intensivierung therapeutischer Maßnahmen zur Verlangsamung der CKD-Progression im Sinne einer personalisierten Medizin.
- Der Marker hilft bei der frühzeitigen Identifizierung von Hochrisikopatienten, unabhängig von der Ursache der Nierenschädigung (z.B. Diabetes, Hypertonus, AKI).
Was ist DKK3 und welche Rolle spielt es?
DKK3 ist ein Glykoprotein, das von gestressten Nierentubuluszellen in den Urin freigesetzt wird. Es fungiert als früher Indikator für eine fortschreitende Nierenschädigung und -fibrosierung. Der IVDR-zertifizierte DKK3 ELISA (ReFiNE®) ermöglicht eine einfache und zuverlässige Bestimmung von DKK3 aus einer Urinprobe (uDKK3) und liefert damit eine entscheidende Zusatzinformation zur geschätzten glomerulären Filtrationsrate (eGFR), um den individuellen Krankheitsverlauf besser abzuschätzen.
Wann ist die Bestimmung von uDKK3 indiziert?
Die Untersuchung ist sinnvoll zum Nachweis oder Ausschluss einer aktiven, progredienten Nierenschädigung bei folgenden klinischen Szenarien:
- Patienten mit Diabetes mellitus und/oder arteriellem Bluthochdruck.
- Patienten mit immunologisch (z.B. ANCA-Vaskulitis) oder genetisch (z.B. ADPKD) bedingten Nierenerkrankungen.
- Nach einer akuten Nierenschädigung (AKI), z.B. nach großen operativen Eingriffen, um das Risiko einer Transition in eine chronische Niereninsuffizienz zu bewerten.
- Bei jeder unklaren Einschränkung der Nierenfunktion, insbesondere bei älteren Patienten.
- Während der Einnahme potenziell nierenschädigender Medikamente (z.B. NSAR, onkologische Therapien).
Wie sind die Ergebnisse von uDKK3 zu interpretieren?
| Ergebnis | uDKK3-Wert (pg/mg Kreatinin) | Interpretation |
|---|---|---|
| Negativ | < 200 | Eine Progression der chronischen Nierenschädigung ist mit hoher Wahrscheinlichkeit aktuell nicht gegeben. Bei Risikofaktoren werden Kontrollen alle 6–12 Monate empfohlen. |
| Positiv | > 200 | Eine progrediente chronische Nierenschädigung liegt mit hoher Wahrscheinlichkeit vor. Der jährliche GFR-Verlust korreliert mit der Höhe der uDKK3-Konzentration. |
| > 1.000 | Assoziiert mit einem mittleren jährlichen GFR-Verlust von ca. 2,4 %. | |
| > 4.000 | Assoziiert mit einem mittleren jährlichen GFR-Verlust von ca. 7,6 %. |
Hinweis: Die Angaben basieren auf einer Langzeitbeobachtungsstudie an 575 Patienten mit CKD-Stadium 2–4 [4].
Präanalytik und Abrechnung
Für die Bestimmung wird 2 ml Spontanurin (vorzugsweise Morgenurin) benötigt. Die Analyse ist über unsere Labore verfügbar. Für Abrechnungsdetails kontaktieren Sie bitte Ihren lokalen Ansprechpartner der Limbach Gruppe.
Wichtige Hinweise
- Erhöhte Werte können auch bei Fieber, Infekten (z.B. Harnwegsinfekt) oder einer akuten interstitiellen Nierenschädigung auftreten.
- Bei erniedrigten Werten sollte eine unsachgemäße (ungekühlte) Lagerung der Urinprobe ausgeschlossen werden.
Arztinformationen
Literaturverweise:
- Zewinger S, Rauen T, Rudnicki M, et al. Dickkopf-3 (DKK3) in urine identifies patients with short-term risk of eGFR loss. J Am Soc Nephrol 2018; 29: 2722-2733
- Francis A, Harhay MN, Ong ACM et al. Chronic kidney disease and the global public health agenda: an international consensus. Nat Rev Nephrol 2024; 20:473-485 (für allgemeine Hintergrundinformationen zur CKD).
- Schunk SJ, Zarbock A, Meersch M, et al. Urinary Dickkopf-3 (DKK3) predicts acute kidney injury and transition to chronic kidney disease in patients undergoing cardiac surgery. Lancet 2019; 394: 488-496 (für den Zusammenhang zwischen AKI und CKD).