COVID-19

COVID-19 Update: Infektionslage und das Post-COVID-19 Syndrom

Deutschland befindet sich mittlerweile im dritten Winter der Corona Pandemie. Experten gehen davon aus, dass die Pandemie in eine Endemie übergehen und man mit einer mehr oder weniger konstanten Anzahl an Neuinfektionen auf Dauer leben wird. Doch wie sieht es mit der steigenden Anzahl von Personen mit Long-COVID bzw. Post-COVID-Symptomen aus? Neben den bereits bekannten pulmonalen, neurologischen und kardiovaskulären Manifestationen treten auch weitere Organsysteme wie Niere, Leber oder Milz vermehrt ins Blickfeld.

Wo stehen wir nach fast 3 Jahren Pandemie?

Mittlerweile sind deutschlandweit knapp 36,5 Mio. Infektionen und annähernd 158.000 Todesfälle im Zusammenhang mit COVID-19-Infektionen durch das RKI registriert worden. Stand man 2020 der aufkommenden Pandemie noch teils hilflos gegenüber, existieren mittlerweile effektive und auf die aktuelle Variante angepasste Impfstoffe gegen SARS-CoV-2. 76,3 % der deutschen Bevölkerung sind mittlerweile grundimmunisiert und 62,5 % haben zudem mindestens eine Auffrischungsimpfung erhalten. Entsprechend niedrig ist die derzeitige Hospitalisierungsrate: sie beträgt 6,04; in den Krankenhäusern überwiegen aktuell milde Verläufe. Doch die Anzahl der Long- und Post-COVID-Erkrankungen steigt weiterhin an – Experten sehen darin ein stark unterschätztes Problem. Laut eines aktuellen Reviews lagen die Prävalenzen einer Long-COVID-Erkrankung für nicht-hospitalisierte Erwachsene zwischen 7,5 und 41 % und für hospitalisierte Erwachsene bei 37,6 %. Die Schwere der Infektion korreliert demnach mit dem Auftreten von langanhaltenden Symptomen, allerdings werden auch nach milden bzw. asymptomatischen Verläufen Post-COVID-19-Symptome in Form mittel- bis langfristiger subklinischer Schädigungen an verschiedenen Organsystemen beobachtet.

Long-COVID und Post-COVID – Multiorgan-Erkrankungen

Long-COVID umfasst per Definition Krankheitssymptome, die von der fünften bis einschließlich zur zwölften Woche nach Infektionsbeginn fortbestehen. Alle Symptome, die länger als 12 Wochen bestehen und nicht durch eine anderweitige Diagnose zu erklären sind, werden unter dem Begriff Post-COVID-19 Syndrom zusammengefasst. Das Krankheitsbild ist sehr heterogen und zeigt eine starke Variabilität zwischen betroffenen Individuen. Zu den typischen Symptomen zählen allgemeine Erschöpfung (Fatigue), Kurzatmigkeit, Konzentrations- /Gedächtnisprobleme, Muskelschmerzen, Schlafstörungen und Geruchs- und Geschmacksbeeinträchtigungen. Doch darüber hinaus hat die Infektion auch Einfluss auf weitere Organsysteme des Körpers. In einer Studie aus Großbritannien wiesen 70 % der Patienten, trotz eines mehrheitlich milden Verlaufs, geringgradige Beeinträchtigungen in einem oder mehr Organsystemen vier Monate nach der initialen COVID- Infektion auf. Hierzu zählten Veränderungen an Herz (26 %), Lunge (11 %), Nieren (4 %), Leber (28 %), Bauchspeicheldrüse (40 %) und Milz (4 %). Dies verdeutlicht, dass es sich beim Long- und Post-COVID-19 Syndrom analog zur akuten Infektion um Multiorgan-Erkrankungen handelt.

Auf der Suche nach der Ursache

Trotz intensiver Forschung ist der kausale Pathomechanismus, der zur Entstehung von sowohl Long-als auch Post-COVID führt, nach wie vor nicht abschließend geklärt. Auszugehen ist von einem multifaktoriellen Geschehen. Studien belegen, dass unter anderem Störungen des Immunsystems mit Bildung von Autoantikörpern, entzündliche Veränderungen der kleinen Blutgefäße mit Bildung von Mikrothromben als auch eine Viruspersistenz in verschiedenen Organen an der Entstehung von Long- und Post-COVID beteiligt sind. In einer weiteren Studie wurden morphologische Veränderungen von Blutzellen während und nach einer COVID-Infektion nachgewiesen. Analysen mit Echtzeit-Verformungszytometrie ergaben, dass sowohl rote als auch weiße Blutkörperchen Anomalien aufwiesen. Erythrozyten waren kleiner, steifer und asymmetrischer als üblich, was die Durchblutung beeinflussen und eine Hypoxämie begünstigen kann. Die für die Blutreinigung zuständige Milz könnte zudem Probleme mit der effektiven Beseitigung der verformten Erythrozyten bekommen. Diese Ergebnisse könnten auch ein Erklärungsansatz für sowohl Long- als auch Post-COVID Symptome sein, da viele der Langzeitsymptome (Kopfschmerzen, Atemnot, chronische Erschöpfung) eng mit der Durchblutung und Sauerstoffversorgung von Organen verknüpft sind.

Fazit

Sowohl Long-COVID als auch das Post-COVID-19 Syndrom mit ihrem breiten Spektrum an klinischen Manifestationen werden auch in Zukunft ein ernstzunehmendes Gesundheitsproblem darstellen. Die zugrunde liegende Pathogenese der Erkrankungen ist nach wie vor nicht vollständig geklärt, auch wenn dank intensiver Forschung immer neue Erkenntnisse dazugewonnen werden. Die mittel- bis langfristigen Auswirkungen einer Infektion auf die unterschiedlichen Organsysteme bedürfen weiterer wissenschaftlicher Studien, um neue Therapieansätze für Betroffene zu entwickeln.

Referenzen:

  1. Robert Koch Institut: COVID-19 Fallzahlen in Deutschland und weltweit zuletzt abgerufen am 30.11.2022
  2. Die Bundesregierung: Coronavirus in Deutschland: Die aktuellen Fallzahlen im Überblick; zuletzt abgerufen am 30.11.2022
  3. Tagesschau: Long Covid: Ein stark unterschätztes Problem;  zuletzt abgerufen am 30.11.2022
  4. Nittas V et al. Long COVID Through a Public Health Lens: An Umbrella Review; Public Health Rev 2022;43
  5. Petersen EL et al. Multi-organ assessment in mainly non-hospitalized individuals after SARS-CoV-2 infection: The Hamburg City Health Study COVID programme. European Heart Journal 2022;43(11):1124-1137.  
  6. AWMF S1-Leitlinie Long/Post-COVID; zuletzt abgerufen am 30.11.2022
  7. BZgA: Long Covid: Langzeitfolgen von COVID-19; zuletzt abgerufen am 30.11.2022
  8. Dennis A et al. Multiorgan impairment in low-risk individuals with post-COVID-19 syndrome: a prospective, community-based study. BMJ Open 2021;11(3)
  9. Son K et al. Circulating anti-nuclear autoantibodies in COVID-19 survivors predict long-COVID symptoms; European Respiratory Journal 2022;60(5)
  10. Pretorius E et al. Persistent clotting protein pathology in Long COVID/Post-Acute Sequelae of COVID-19 (PASC) is accompanied by increased levels of antiplasmin; Cardiovasc Diabetol. 2021;20(1):172
  11. Chertow D et al. SARS-CoV-2 infection and persistence throughout the human body and brain; Research Square 2021 (Preprint); zuletzt abgerufen am 30.11.2022
  12. Kubankova M et al. Physical phenotype of blood cells is altered in COVID-19; Biophys J. 2021;120(14):2838-2847

Ihr Ansprechpartner

Dr. Martin Hampel
news@limbachgruppe.com

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